Session Illustrators – Raban Ruddigkeit, Lea Brousse, Edith Carron, Bianca Tschaikner, Hamed Eshrat

Die grafischen Kommentare von Lea Brousse und Raban Ruddigkeit sind Kabinettstücke visuellen Denkens: Jenseits klassischer Illustrationen kommentieren die beiden Grafiker aktuelles Weltgeschehen, kontroverse Themen und politisches Geschehen. Bunt, assoziativ, bisweilen süffisant und ironisch, aber immer kurz, knapp und auf den Punkt gesetzt. Ein Bundesadler mit regenbogenbunten Federn zur Debatte über Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, ein Tarnfarbenmuster, das sich in Friedenstauben auflöst als eine mögliche Zukunftsvision der Bundeswehr. Manchmal sind es einzelne Begriffe oder auch Namen, die Brousse und Ruddigkeit visuell übersetzen: Putin als Schriftzug mit Hammer und Sichel. Freiheit, illustriert durch einen Käfig in Kopfform.

Bianca Tschaikner arbeitet für die Wiener Stadtzeitung Falter. Zu ihren Arbeiten gehören Illustrationen zu den Anschlägen von Paris oder den Übergriffen der Silvesternacht in Köln ebenso wie ein Stadtführer für Kinder in Wien. Humorvoll sind ihre Illustrationen immer, bunt und prall aus dem Leben gegriffen, mitunter bis zur Schmerzgrenze: Dann lösen sie auch schon einmal Debatten und gelegentliche Shitstorms aus. Ihr neuestes Projekt »Savari« ist entstanden nach einer Reise vom Iran nach Indien und gerade als Buch erschienen. »Savari« erzählt vor allem in Zeichnungen über Begegnungen: mit Menschen und Momenten, mit anderer Kultur und spannenden Erfahrungen unterwegs.

Hamed Eshrats Fokus als Zeichner und Illustrator liegt auf politischen und kulturellen Themen: »Tipping Point«, ein Autoren-Comic, schildert die Erfahrung von Eshrats Eltern während der iranischen Revolution. Seine Installation im Comic-Stil für das Maxim Gorki Theater in Berlin zeigt Zusammenhänge zwischen Konsum und Gewalt auf. Eshrats aktuelles Projekt ist vom Goethe-Institut organisiert: »Respekt« beschäftigt sich mit aktuellen Konflikten in Israel, die von den »großen« Konflikten überlagert werden – ein Projekt, das dem Zeichner sehr am Herzen liegt, weil er »Moralkeulen und erhobene Zeigefinger nicht sonderlich schätzt«.

Edith Carron, Illustratorin aus Frankreich, lebt und arbeitet in Berlin. »Meine Arbeit ist immer politisch, auch wenn das auf den ersten Blick gar nicht so aussieht«, sagt sie über ihre Illustrationen, die vorwiegend im Auftrag von Magazinen wie Le Monde, Revue 21 oder Télérama entstehen. Mit tagesaktuellem, zeitgeschichtlichen Bezug, sind Edith Carrons Zeichnungen trotz oft ernster Themen fröhlich bunte Denkanstöße für ihre Betrachter.  

»Gibt es gute Klischees?« fragt Raban Ruddigkeit in die Runde. Bewußt in Anspielung auf das Druckklischee, aber auch auf festgefahrene Vorstellungen, die ebenso Arbeitsgrundlage und Werkzeug für Illustratoren sind. Spannend sind die Antworten der Teilnehmer, die ihr Zeichnen als Horizonterweiterung begreifen – und damit auch als Herausforderung, die Grenzen von Klischees und Verallgemeinerungen mit ihrer Arbeit konsequent zu sprengen. Mit Illustrationen, die Aussage sind, Informationen transportieren; zugleich dekonstruieren sie Zusammenhänge und Vorurteile zugunsten neuer Erkenntnisse.

Verantwortung und Umsicht im Umgang mit den eigenen Bildern sind dafür Voraussetzung: Edith Carron und Raban Ruddigkeit sind nachdenklich angesichts zunehmender Missverständnisse in der Interpretation von Bildern und Symbolen. So wie Hamed Eshrat, der sensible Betrachtung komplexer Themen anmahnt: Das Projekt »Bildkorrektur«, das sich mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Flüchtlinge auseinandersetzt, ist für ihn ein prägnantes Beispiel für die schwierige Balance zwischen veränderter Geschwindigkeit in Internet und Medien und der Notwendigkeit einer Reflektion beim Betrachter.

Die Teilnehmer der Runde im Netz:
www.brousseruddigkeit.com
http://www.leabrousse.com
http://biancatschaikner.com
http://edithcarron.net
http://eshrat.tumblr.com

 

 
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