Pierre Thomé – ZEICHNER ALS REPORTER

»Man merkt bei den Illustratoren, dass es immer irgendwie unaufgeräumt ist. Bei den Grafikdesignern sind die Tische leer.« Pierre Thomé, der sich so launig vorstellt, ist Autor des Buchs »Geduld und Gorillas – Wie man Illustratoren macht«.

Der Illustrator aus Leidenschaft zeichnet so ziemlich alles, was sich zeichnen lässt. Klarheit, Präzision, inhaltliche Tiefe sind seine Maximen, mit denen Thomé nicht nur Illustrationen für Werbung, Editorial und Corporate Publishing, sondern illustriert auch Kinderbücher, macht Comics und Animationen. Seit 2002 leitet Pierre Thomé darüber hinaus die Studienrichtung Illustration an der Hochschule Luzern.

Sein Vortrag ist dem Projekt »Zeichner als Reporter« gewidmet. 2015 veröffentlicht, fasst die Publikation »Visual Essays« der Studenten Thomés zusammen. Reportagen sind für den Illustrator kurzlebige Erzählstücke. So kurzlebig wie die Zeitungen, in denen Reportagen ursprünglich gedruckt werden. Deswegen wurde das Buch »Zeichner als Reporter« auf Zeitungspapier gedruckt.  Ein Denkanstoß über Flüchtigkeit und Kurzlebigkeit, die Denkanstöße geben will, verändern und bewegen möchte.

Eine der Reportagen aus dem Projekt erzählt die Geschichte eines Asylbewerbers. Überwiegend in Zeichnungen, die eindrucksvoll das Gefühl der Isolation vermitteln, das Leben eines Menschen, der nicht arbeiten darf, der buchstäblich nichts tun darf und zwischen Behörden und Alltag langsam verschwindet. Andere Kapitel des Projekts bedienen sich unterschiedlicher Narrative: Textbilder aus Typografie sind ebenso darunter wie reine Illustrationen. »Zeichner als Reporter« ist ein Porträt des Wesens Illustration. Ganz im Sinne von Pierre Thomé und seiner Erkenntnis: »Kein Mensch ist eine Insel – und Bücher eine Sammlung ganz unterschiedlicher Talente.«

»Wieso eigentlich Reportage?« Auf diese Frage hat Thomé eine überraschende Antwort: Der Rahmen eines Comics ist ihm, der 1984 sein Comic-Art-Magazin Strapazin gründete, zu eng gefasst. Zu begrenzt, um verschiedenste Inhalte mit ebenso unterschiedlichen Stilmitteln umzusetzen, Thomé befindet das als untauglich für die Erzählform Comic. Stattdessen gibt es also Reportagen und die »Visual Essays«, Versuchstücke seiner Studenten. Sie ausprobieren sich aus zwischen Illustration, Text, Typografie und Comic. Nutzen Versatzstücke aus Infografik und Typografie, um den Rahmen des Comics, der Zeichnung zu sprengen.

Präzise Beobachtung ist diesen Arbeiten gemeinsam. Eine leise Bildsprache, leiser als Fotografie, wie bei der Reportage aus einem Sterbehospiz. »Zeichner als Reporter« zeigt eine grandiose Bandbreite der Möglichkeiten. Sie ist zugleich auch Signal für ein gewandeltes Selbstbild der Zeichner, die sich nicht mehr »nur« als Zeichner, sondern als Autoren verstehen.

Pierre Thomé im Netz: strapazin.ch
(Die Website bietet sowohl einen Überblick über die Ausgaben von Strapazin aus den Jahren 2000 – 2014 als auch ein Blog, das interessante Projekte und Arbeiten aus der Comicszene vorstellt.)

 

 
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