Nigel Holmes – Meaning and function of dataviz and infographics in society today and tomorrow

Nigel Holmes erinnert sich: An eine Tagung der IFRA 1994 – und an eine lebhafte Debatte um Farbe in Infografiken. An ein Bild von Edvard Munch, »Der Schrei«, für Holmes ein subtiler Hinweis auf den Overload durch Farbe. Damals. Und heute? Alles anders, heute, alles neu, alles so schön bunt hier: Zwischen Bedeutung und Funktion hat Informationsgrafik nicht nur laufen gelernt, sondern ist zu einem der wichtigsten Bestandteile der Informationsvermittlung, des Editorial Design geworden. Infografik übersetzt Abstraktion in Lesbares und Verständliches, erklärt die Welt, die immer mehr aus Daten, Zahlen und zu sortierenden, gewichtenden Informationsströmen besteht.

»Wer ist das Publikum, wer ist der Nutzer, wer der Leser?« Nigel Holmes erzählt über die vielfältigen Annäherungsmöglichkeiten, die zugleich Aufschluss geben über Sinnhaftigkeit von Datenvisualisierung. Nah dran muss sie sein, an den Lebenswelten des Publikums, an seinen Bedürfnissen und Erwartungen. Relevanz heißt das Schlüsselwort, verstanden als Beziehung zwischen Betrachter und Infografiker. Letzerer ist derjenige, der mit seiner Arbeit, mit der Visualisierung und Umsetzung in Grafiken Aussagen damit verdichtet: Überflüssiges wird entfernt, damit das Notwendige zum Betrachter spricht.

Das Versprechen von »Big Data« ist Präzision. Daten sind Fakten, heißt es. Und dennoch können sie Fehlerquellen beinhalten und sein, falsche oder verzerrte Aussagen und Schlüsse liefern. Unverzichtbar ist die Kompetenz von Journalisten und Informationsgrafikern, deren Recherche dazu beiträgt, aus der Abstraktion und schieren Masse von »Big Data« korrekte Informationen zu destillieren, die tatsächlich erst Wissen liefern und konkrete wie korrekte Aussagen ermöglichen.

Die Welt der Infografiken ist eine vielfältige Welt ohne Worte: Die U-Bahn-Pläne Harry Becks beispielsweise, der den Maßstab quasi neu erfand – und dessen Karten der Verkehrsverbindungen bis heute unübertroffen sind. Der 1946 – 53 entstandene Geographische Weltatlas, der in einer verblüffenden Mischung aus Geographie, Grafik und Kunst die Welt erklärt und erfahrbar macht. Nigel Holmes Vortrag ist ein optimistisches, leidenschaftliches Plädoyer – nicht gegen »Big Data«, sondern für einen sinnvollen, durchdachten Umgang damit. Sich Risiken und möglicher Fehlerquellen bewusst sein, Daten bearbeiten und auswerten, bevor sie gestaltet werden: Das ist für Nigel Holmes Herausforderung, aber zugleich Verantwortung – für die Nutzung »Big Data« als Grundlage für Wissensvermittlung, die nicht verfälscht, sondern Vertrauen in Informationen möglich macht.

Nigel Holmes im Netz: nigelholmes

 

 
Letzte Beträge
28. Februar 2016
CLOSING NOTE
27. Februar 2016
Stefan Bogner – CURVES
27. Februar 2016
Kirsten Algera – MCGUFFIN
27. Februar 2016
QVIG
26. Februar 2016
Lars Harmsen – 100FOR10
26. Februar 2016
Session Photographers
26. Februar 2016
Session The Netherlands
26. Februar 2016
Erich Nagler – MEDIUM
26. Februar 2016
Francesco Franchi
25. Februar 2016
Michael Ray – ZOETROPE
25. Februar 2016
Nelson Ng – LOST
25. Februar 2016
Steve Watson – STACK