Mustafa Isik – IM AUGE DES STURMS

Editorial Design ohne Designer und Journalisten ist ein spannender Ansatz für Mustafa Isik, Software-Spezialist und Entwickler beim Bayerischen Rundfunk. Er plädiert für eine engere Verbindung zwischen Designern und Softwareentwicklern – mit dem Ziel, gemeinsam überzeugendere, schönere, nutzerfreundlichere und schlicht bessere Produkte zu entwickeln.

Sich im Auge des Sturms treffen, ist für Isik eine spannende Herausforderung. Mitten im Paradigmenwechsel zwischen analog und digital, in dem keiner weiß, wie lange er dauert, wo er hinführt und zu welchen Zielen, hilft der Blick des Kaninchens auf die Schlange nicht mehr weiter. Stattdessen erforderlich: Gezielte Zusammenarbeit. Gemeinsamkeit. Schnittstellen von Ideen und Gedanken nutzen für ein Team, das Lösungen schafft statt neuer Probleme. Ein positives Beispiel einer solchen kollaborativen Arbeit ist die App »Ankommen«: Aus Gedankenfetzen wurde ein digitales Produkt geformt, das unterschiedliche Ebenen von Sprache, Übersetzungen, Informationen zum Asylprozess, zum Leben in Deutschland zusammenfasst. Eine Herausforderung für alle Projektbeteiligten von Software-Entwickler bis Designer.

»Gemeinsam durchs Feuer gehen«, so nennt Mustafa Isik das, was vor solchen Entwicklungen steht. Es bedeutet, sich gegenseitig kennenlernen, in vorurteilsfreier Begegnung, um in einem Gewirr der Bedürfnisse und Anforderungen die wesentlichen Aspekte herauszufiltern. Schlüsselfeatures sind für den BR zunächst Personalisierung: Benachrichtigungen, Abonnements, die sich der Nutzer nach seinen individuellen Interessen konfigurieren kann – statt in einer Flut von undifferenzierten Meldungen die Orientierung zu verlieren. Dass Softwareentwickler keine Ahnung von Design haben und damit unerwartet umfangreiche Debatten über Hausschriften, Corporate Design, Schriftgestaltung und -schnitte in digitalen Produkten entfesseln, kann passieren. Und entlockt dem Publikum, das eher nicht im Thema Softwareentwicklung verankert ist, dank der  launigen Schilderungen  Mustafa Isiks herzhaftes Lachen. Für einen Informatiker ist das eine spannende Sache: »Wir verstehen die Programmierung«, sagt Mustafa Isik. »Das Design eher nicht. Aber dafür verstehen die Designer unseren Code nicht.« Für ihn besteht die wesentliche Herausforderung der Digital-Ära darin, vorher über die Produkte nachzudenken, die man gerne schaffen möchte. Gemeinsam, interdiszipliniär, aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und erdacht, um in gestalterischer und konzeptioneller Entwicklung immer wieder aufeinander und die unterschiedlichen Ansätze einzugehen. Software-Entwicklung, digitale Produktentwicklung, die auf diese Weise nicht nur spartenübergreifend neu gedacht, sondern auch integrativ umgesetzt wird. »Die Zeiten, in denen das allein ging, sind vorbei – und werden nie wieder kommen.«  

Mehrdimensionen sind nicht nur ein inhaltliches Problem, sondern auch ein technisches. »Wie gehen wir konsequent und effizient mit rasanter technischer Weiterentwicklung um?« fragt Isik sein Publikum. Und umreißt mit dieser Frage eine weitere Herausforderung, die so spannend wie sperrig für alle Beteiligten der Produktentwicklung ist. Zwischen allen Problemkonstellationen gibt es für den Software-Spezialisten genaugenommen nur eine einzige, dafür umso überzeugendere Antwort:  Gemeinsam, in stetigem Austausch, den Paradigmenwechsel und damit Zukunft aktiv zu gestalten.

Mustafa Isik auf Youtube (Medientag München 2015): http://www.br.de/mediathek/video/video/2015-medientage-isik-100.html

 

 
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