Gail Bichler – NEW YORK TIMES MAGAZINE

Sie ist Designerin aus Leidenschaft, war Designdirektor verschiedener Magazine, mit eigenem Grafikstudio und Professur in Minnesota – und zeichnet jetzt verantwortlich für die Gestaltung des New York Times: Gail Bichler.
Ihre Arbeiten sind unter anderem in der ständigen Sammlung des Chicagoer Art Institute vertreten sind und wurden mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, unter ihnen der ADC, der Type Director's Club und viele mehr.

Nichts ist so gut, dass es nicht besser werden könnte. Gail Bichler, die sich mit der Aussage »Print is dead« überhaupt nicht anfreunden kann, plädiert für neue Wege. Für intelligentes Redesign von Publikationen, dafür, die Verbindung von Inhalt und Form neu zu denken. Ziele gehören dazu: Das Kuratieren eines Leseerlebnisses. Der Aufbau einer speziellen, unverwechselbaren Identität eines Printproduktes. So wie beim New York Times Magazine, das seine Marke konsequent und wiedererkennbar nicht durch alle Kanäle von Print bis Digital spielt, sondern auch das ein oder andere Merchandising-Produkt für zusätzlichen Aufmerksamkeitswert nutzt.

Zu den visuellen Markenbausteinen des NYT Magazins gehört der konsequent in alle Verästelungen durchdeklinierte Einsatz von Typografie. Ob Headlines, Zwischenüberschriften, Textblöcke – Schrift wird in der Seitengestaltung vom Informationsträger zum eigenen Bild. Ohne dabei auf den für Gail Bichler wichtigsten Aspekt von Schrift zu verzichten: Auf unbedingte Lesbarkeit, die in allen Ausgaben des NYT Magazins von analog bis digital übergangslos funktionieren muss.

Design ohne Struktur ist für Gail Bichler unmöglich: Was auf dem Cover beginnt, führt den Leser über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe weiter durch das komplette Magazin. Entschleunigung ist der Designerin wichtig: Als Atempause und Einladung, sich auf das Magazin und seine Geschichten einzulassen. Zu Lesen statt zu Blättern, verführt von Gestaltung und Ästhetik, die neugierig machen auf eine gemächliche Entdeckungsreise in Erzähltes und Informationen.

»Manches wird zum überzeugenden Argument für das, was wir lieben«. Die opulenten Bildstrecken gehören dazu, die einzelnen Fotos ausreichend Luft zum Atmen lassen, dem Blick das Flanieren auf den Seiten des Magazins erlauben. Illustrationen, die in längeren Textstrecken als Blickfang funktionieren und ein wenig den verzierten Initialen der Gestaltungsgeschichte ähneln. Exzellente Food-Fotos, die den Leser Duft und Geschmack von Gerichten und Rezepten erschnuppern lassen. Gezielte visuelle, fotografische Provokationen, die den Leser sprachlos hinterlassen. Ein Beleg, dass gute Geschichten nicht nur früher am Lagerfeuer der Steinzeit gern gehört wurden, sondern auch auf den Monitoren und in den Magazinen der Moderne nichts von ihrer Magie und Faszination verloren haben.

Emotionalität, Sinnlichkeit, Storytelling und Humor, verpackt in exzellente Gestaltung, machen das New York Times Magazine zu einem grandiosen Rundumerlebnis des Narrativen, die gleichzeitig zur individuellen Erfahrung des Betrachters wird: Aha-Erlebnisse, Schmunzeln, gelegentliche Aufregung und immer faszinierend, elektrisierend, fantastisch, groovy, funky, knisternd wie die Papierseiten des Magazins. Print ist tot? Von wegen. Gail Bichler zeigt nicht nur, wie unglaublich lebenslustig und funkensprühend das totgesagte Holzmedium ist. Zu ihrer Präsentation gehören auch Einblicke in die spannenden Möglichkeiten der digitalen Ableger des Magazins, in eigenständige Arbeiten, die alles andere sind als ein Aufguss des Gedruckten.

Aus der selbstverständliche Verzahnung beider Publikationsformen zieht Gail Bichler ein schlichtes Fazit: »Die Zeitung sieht heute ein wenig anders aus.« Aus den Unterschieden werden Brücken zwischen höchst gegensätzlichen Medien. Und daraus neue Gemeinsamkeit statt Gegeneinander: ein Perpetuum Mobile der gegenseitigen Inspiration und Ideen. Damit das Totgesagte auch in der Digitalära lebendig bleibt, auch Gedrucktes seinen festen Platz hat. In der Zukunft.

The New York Times Magazine: www.nytimes.com/section/magazine

 

 
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