Dave Grossmann und Hartmut Friedrich – KWER

»Was macht der junge Typ hier vorne auf der großen Bühne?« Dave Grossmann ist genauso überrascht wie sein Publikum: Zwei Ausgaben von Kwer, dem Magazin der Abstraktion, liegen hinter ihm und seinem Kollegen Hartmut Friedrich – und haben die Aufmerksamkeit des QVED-Kurators Horst Moser geweckt.

Was, würde das Publikum nach seiner Meinung zu Quantentheorie und Fraktalen gefragt? Dave Grossmann schmunzelt – und erklärt mit dieser Frage den Begriff der Abstraktion, dem KWER gewidmet ist. Das Magazin stellt unterschiedlichste Bereiche gegenüber: Tanz, Kunst, Literatur, Musik, Physik, Naturwissenschaften – um Fragestellungen zu verstehen, zu erforschen und begründen. Auf der Suche nach Antworten und nach Inspiration, unter anderem im Vergleich zwischen Tänzern und Gestaltern, deren mögliche Gemeinsamkeiten und Schnittstellen neue Ideen zu Tage fördern können.

Dualismen, Kontraste, Hybride, Symmetrien, Grenzen in politischem Sinne, aber auch in künstlerischer Hinsicht: in der zweiten Ausgabe von KWER debattiert das Magazin die Linie als kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Mathematisch ebenso gedacht und erläutert wie gestalterisch, poetisch und philosophisch. Quer gedacht, out of the box, raus aus Denkroutinen und linearen Gedankenmustern und hinein ins pralle Leben der Assoziation und Abschweifungen: »Umwege erhöhen die Ortskenntnis«, heißt es. Für Dave Grossmann und Hartmut Friedrich ist das ein ganz wesentlicher Aspekt ihres Konzepts.

Bislang erschien KWER in einer kleinen Auflage von 1000 Stück, die über spezielle Stores und Läden vertreiben wurden. Nachdem die zweite Ausgabe in München auf der Pro Art Fair vorgestellt und von der Süddeutschen Zeitung gefeatured wurde, war die Resonanz auf das Magazin unerwartet groß. Ein Ansporn für die beiden Macher von KWER, ihr Konzept weiter auszubauen: Mit zusätzlichen Kategorien wie Kreuz & Kwer, die sich in Form einer unkommentierten Bildstrecke mit einem festen Thema auseinandersetzt. Mit der größten Spielwiese in der Heftmitte, der Kwersumme, auf der sich die Herausgeber »gründlich austoben«, wie Grossmann augenzwinkernd anmerkt: Ausgabe 2 widmet sich der Entwicklung der Ziffer 2 in unterschiedlichsten Formen aus unterschiedlichen Zeiten.

Aktualität und Prominenz sind für Hartmut Friedrich und Dave Grossmann eher nebensächlich: Sie setzen auf ein zeitloses Magazin, dessen Relevanz an die Inhalte und Themen, aber nicht auf aktuelles Geschehen abhebt. Ein ruhiges, klares Design gehört dazu, um nicht »völlig abstrakt abdrehen«, sondern im Kleinen dem gestalterischen Spieltrieb zu frönen – und um nicht in Konkurrenz zu treten zu vorgestellten künstlerischen Arbeiten. KWER ist klar und aufgeräumt, ist beständig und zeitlos. Ein Magazin nicht als reines Magazin, sondern als Hybrid aus Buch, Lexikon, Enzyklopädie, als geschlossene Reihe mit einem klar definierten Ziel.

»Wir werden nicht aufhören, wenn wir keine Lust mehr haben oder sich das finanziell nicht mehr tragen lässt,«, sagt Grossmann. »Wir setzen einen Rahmen des Erscheinens – und machen das Magazin so zu einem Kunst- und Sammelobjekt.« KWER als Versuch der Entschleunigung, der innerhalb der Magazinbranche und zwischen deren schnellebigen, flüchtigen Erzeugnissen ein bleibendes Produkt ist, das auch in 10 oder 20 Jahren noch lesbar ist, weil seine Inhalte zeitlos aktuell sind.

Die dritte Ausgabe von KWER erscheint im Frühjahr 2016.

KWER im Netz: http://www.kwer-magazin.de

 

 
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