Christian Hanke und Martin Kotynek – ZEIT ONLINE

Christian Hanke und Martin Kotynek sind so etwas wie ein Dreamteam. Gemeinsam haben der Creativ Director von EdenSpiekermann und der stellvertretenden Chefredakteur von ZEIT Online den digitalen Ableger der ZEIT relauncht.

Statt 9 Millionen (wie im Titel des Vortrags) erklärt ZEIT Online aktuell rund 10 Millionen Menschen die Welt. Die wichtigste Frage vor dem Relaunch war also nutzerorientiert: Was brauchen Menschen, was brauchen Leser? Es geht um Beziehungen zwischen Leser und Journalist, es geht auch darum, die jeweiligen Kontexte ernst zu nehmen. Eine Frage des Respekts, vor allem auf der inhaltlichen Ebene, weil es nicht genug ist, einfach nur zu erzählen. Eine Gemeinsamkeit zwischen Designern und Journalisten, ebenso wie die Erkenntnis, dass die schöne Verpackung für einen Inhalt allein auch noch keinen Nutzwert darstellt. Erst ihr Zusammenspiel führt zu Verständnis vier wichtiger Perspektiven der Darstellung von Inhalten, ihrer Präsentation und Vermarktung und ihres Vertriebs. Im Zentrum dieser Perspektive steht nur einer: Der Leser.

In zahlreichen Leserbefragungen hat das Team Bedürfnisse von Lesern aufgespürt: Schnelle Verfügbarkeit von Inhalten auf mobilen Endgeräten gehört dazu. Das ist vor allem ein Prozess der Entdeckung neuer Werkzeuge. Sie dürfen nicht nur technikorientiert entwickelt werden, sondern müssen auch Freude und Entdeckungslust berücksichtigen – in der Entwicklung neuer Erzählformate. Lösungsorientiert zu denken und gestalten, das funktioniert für Hanke und Kotynek am besten über schnelle Feedbacks: »Nicht lange daran herumdenken, sondern machen.« lautet die Handlungsmaxime. Nutzer und Redakteure lieben offensichtlich das, was das Team Hanke-Kotynek mit seinen Kollegen ausgetüftelt hat: Die Nutzer- und Zugriffszahlen belegen das.

Eine weitere Problemstellung: Vielen Lesern fällt es schwer, an komplexen Nachrichtengeschichten dranzubleiben. Zwischen Nachrichten, Analysen und Reportagen fehlt, so Martin Kotynek, ein »catching up«-Format. Um Lösungen zu finden, setzten Hanke und Kotynek auf Editorial Prototyping. Die Fallbeispiele German-Wings-Absturz und Griechenland-Krise waren exemplarisch: Auf einzelne Erzählstücke aufgebrochen, sortiert nach Faktenschwerpunkten und Prioritäten, ließ sich so ein Raster für die Entwicklung und Integration von Inhalten entwickeln. Vom Content Management System über das Design und Chronologie bis zur logischen Abfolge von Inhalten ist so ein »story stream« entstanden. Er bietet den Nutzern Orientierung zwischen den einzelnen Versatzstücken komplexer Themen – und über klickbare Meilensteine der Information auch eine komfortable Navigation innerhalb des Angebots von ZEIT Online.

Fazit von Martin Kotynek: Der Relaunch hat funktioniert. Vor allem wegen strikter Orientierung von Form und Funktionen an den Bedürfnissen der Nutzer von ZEIT Online. »Es hat großen Spaß gemacht«, schmunzelt Christian Hanke. Operation gelungen, Patient quicklebendig, könnte man dazu auch sagen.

Christian Hanke im Netz: http://christianhanke.de
Porträt von Martin Kotynek: https://youtu.be/dNIpfugONNM

 

 
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