Andreas Volleritsch – DAS NEUE TESTAMENT ALS MAGAZIN

Nach vier Monaten und rund sechshundert Arbeitsstunden war es vollbracht: Andreas Volleritschs Umsetzung des Neuen Testaments als Magazin. Ausgerechnet die Bibel, die das meistgedruckte, meistgelesene und -verkaufte Buch der Welt ist?

Wie kommt man auf eine solche Idee? Bisweilen in einem Hotelzimmer, in dem als einzige Lektüre die Bibel zur Verfügung steht. Und der Leser an der Typografie und deren Lesbarkeit scheitert. Am nächsten Tag seinem Designer die Bibel über den Tisch schiebt und fragt: Kann man daraus ein Magazin machen? Andreas Volleritsch macht sich an die Arbeit, hingerissen von einer Idee, die auf den ersten Blick ziemlich schräg klang.

500 Millionen Anschläge enthält der Text der Bibel, 1500 Jahre Entstehungszeit, 2,5 Millarden Exemplare weltweit, das dickste Exemplar 2,5m dick. Ein paar Ausschnitte aus Andreas Volleritschs Recherchen vor der Umsetzung des Projekts illustrieren, wie intensiv ihn das geplante Magazin beschäftigte – und vor allem die Frage, ob das überhaupt funktionieren könnte. Als das typografische Konzept stand, legten Volleritsch und sein Team los: Minion, Clearface und Univers sind die Hauptakteure des Magazins.

Während der Produktion veränderte sich das Format des Magazins dreimal. Technische Gründe, Kostenaspekte, bis zum Schluss ist die Entstehungsgeschichte dieser Bibelausgabe geprägt von permanentem Feintuning. Mit überraschenden Details: Was im Originaltext ein einziges Wort in einer kompletten Textseite ist – der Name Jesus – wird im Magazin zu einer ganzen Doppelseite. Das Kreuz auf dem Berg findet sein Echo in einer Seitengestaltung: Typografie als Bild des Kreuzes auf dem Berg.

850 bis 900 Seiten für die Bibel, rund 250 Seiten nur für das Neue Testament: Die Zahlen klingen erstaunlich. Und lösen Erstaunen bei denjenigen aus, die mit dem Buch der Bücher vertraut sind: Priester, denen Volleritsch und seine Partner das Projekt testhalber vorstellten, waren begeistert, wie anders sich der Text des Originals in der Präsentation als Magazin anfühlt, wie anders er wirkt. Im Versuchslabor der optischen Akzente spielten Volleritsch und Co. mit unterschiedlichen Illustrationselementen. Bis sie auf Brigitte Maria Mayer stießen, eine Fotokünstlerin, die in Oberammergau die Passionsspiele dokumentierte. Ihre Bildsprache war genau das, was die Gestalter gesucht hatten.

»Dieses Magazin kann ich nicht einfach so nebenbei machen. Das Risiko der Verarmung muss ich auf mich nehmen.« frotzelt Andreas Volleritsch. Immerhin, die Erstauflage von 20.000 Exemplaren war von einem Auftraggeber finanziert. Zusätzliche 30.000 Ausgaben finanzierten Volleritsch und sein Team aus eigener Tasche. Zwischen Druckproblemen, technischen Herausforderungen und hoher Arbeitsbelastung ist es fast ein Wunder, dass die Magazinausgabe des »Neuen Testaments« gelang und zu einem sensationellen Erfolg wurde, über den zahlreiche Zeitschriften und Zeitungen berichteten. Unter ihnen übrigens auch der Playboy.

Andreas Volleritsch im Netz: neubaudesign.com

 

 
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